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2. Oktober 2008 4 02 /10 /Oktober /2008 16:36

Der Mann saß in einem goldfarbenen Sessel und blickte die Frau an. Sie hatte sich entspannt in den großen Sessel ihm gegenüber gekuschelt, welcher mit einem plüschigen Stoff in Leopardenfelloptik bezogen war. Zwischen den Sesseln befand sich ein flacher und zugleich länglicher Tisch. Die Tischplatte war aus braunem Naturstein gearbeitet und zeigte eine goldene Musterung, welche auf seltsame Art das Design, des goldenen Sessels - mit dem exotischen Aussehen des Anderen verband.  Auf dem Tisch standen zwei breite runde weiße Kerzen, deren Wachs fast verbrannt war. In der Luft waren noch die schwindenden Klänge, der letzten Worte des Mannes wahrnehmbar.

 
   

Er hatte seit Jahren Probleme, das für sein Leben benötigte Geld, kontinuierlich selbst zu erarbeiten und seine selbsterschaffenen Produkte zu verkaufen. All die Erfahrungen der verschwundenen Jahre, hatten in ihm das Empfinden von tiefen Wunden hinterlassen. Nun war er an einem Punkt angekommen, an welchem er nicht mehr den Willen und die Kraft hatte, wie bisher weiterzumachen. Er fühlte sich erschöpft und ausgelaugt - von den Forderungen seines eigenen Verstandes, Körpers und der ihn umgebenden Gesellschaft. 

 

Was wünscht Du Dir wirklich?, fragte die Frau in den Raum. Der Mann dachte einen Augenblick nach und senkte dabei den Blick. Dann sah er die Frau erneut an und beschrieb, dass sein wirklicher Wunsch ein Heil-Gen sei. Etwas, dass in ihm unsichtbar Wirken würde, und all die Enttäuschungen vergessen macht, damit er wieder mehr Freude am alltäglichen Leben empfinden könnte.

Ja toll, das ist einfach für das Leben, sagte die Frau, welche aufmerksam den Worten des Mannes gelauscht hatte. Dein Wunsch ist bereits erfüllt, denn jeder Mensch trägt sein Heil-Gen in sich, welches derartige Wunden verblassen und schwinden lässt in des Menschen Wahrnehmung, fügte sie nach. Es ist die Stille, welcher sich der Mensch – gleichgültig, wo er auch ist, in sich selbst bewusst werden kann. Stell dir einmal in einem Bild vor, wie ein ätzender Ton, das grenzenlose Feld der Stille durchquert. Er scheint die Stille zu zerreißen, doch hält der Mensch den Ton nicht - selbst in seiner Wahrnehmung fest, dann gleitet er davon und zurück bleibt erneut – unberührte und makellose Stille. Des Menschen Körper und Wesen sind erfüllt von der Stille. Sie durchströmt ihn immerzu. ...und füllt der Mensch sie nicht selbst, mit leidvollen und scharfen Gedanken, wird alles in ihm Heilen – ganz von selbst.

 

Glaubst du das wirklich?, fragte der Mann in die vom Kerzenlicht erleuchtete Stille. Nein, antwortete die Frau. Ich nehme es so wahr, und weiß meiner Wahrnehmung folgend, dass es wirklich so ist. Seit Jahren bin ich auf dem Weg der Forschung unterwegs, um selbst zu erfahren, wie weit die Stille im Menschen wahrhaft wirkt. Du hast es gut, sagte der Mann. Ja, du auch, antwortete die Frau und lachte einen Moment. Dann trat wieder die Stille im Raum in den Vordergrund, und das Licht der Kerzen tanzte an den weißen Wänden, nutzte auf seine Art, die ihm noch verbleibende Zeit, um mit den Kerzen zu spielen, bevor ihre Dochte für immer in seiner feurigen Umarmung verglühten.


 

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