Leo und Nina lebten in einem Haus, welches weit entfernt von der nächsten Stadt mitten in einem Feld auf dem puren Land stand. An einem schönen Tag hatte Leo geplant, einige Besorgungen in der Stadt zu machen. So wollte er auch die gemeinsame Freundin Sally besuchen und fragte Nina, ob diese Lust hatte mitzukommen.


Sally arbeitete als selbständige Tischlerin und war ein lebendiger und warmherziger Mensch. Sie lebte ebenfalls auf dem Land und ihr Haus befand sich auf der anderen Seite hinter der Stadt. Aufgrund ihres Berufes verfügte Sally über eine Werkstatt, welche eine Fundgrube für Werkzeuge aller Art war. Nina fuhr gern Sally besuchen, da diese und ihr Haus in Nina immer wieder deren Kreativität erweckten. Im selben Moment, in dem Leo Nina fragte, hatte diese sogar Sehnsucht nach Sally und deren hemmungslosem Lachen, welches auch in schwierigen Zeiten niemals verklang. Doch trotz der empfundenen Sehnsucht sagte Nina „Nein“ auf die Frage von Leo und verband das Nein lächelnd mit dem Hinweis, dass es an diesem Tag auch im eigenen Haus viel zu tun gäbe. Neben anderen Dingen gab es da zum Beispiel einen Fleck auf einem der Sessel im Wohnraum des Haus, den Nina selbst mit einer brennenden Kerze verursacht hatte. Flüssiges Wachs war auf die Lehne des Sessels getropft, und Nina ärgerte sich unsichtbar, dass Leo und sie kein Bügeleisen im Haus hatten, um den Wachsfleck mit einem Stück Küchenpapier und der Wärme des Bügeleisens leicht wieder zu entfernen. Gleich nach dem Ärgern stieg in Nina jedoch der Ansatz für eine Lösung des Problems auf, und sie bat Leo die Freundin Sally zu fragen, ob diese ihnen ihr Bügeleisen für einen Tag ausleihen könne. Leo versprach, daran zu denken und fuhr vom Hof.

 

Drei Stunden später kam er wieder. Nina hatte in der Zeit Einiges geschafft und war selbst gerade bereit zu einer kleinen Pause im Schaffen. Zu Ninas Erstaunen fuhr Sally in ihrem Kleinbus direkt hinter Leo auf den Hof. Die Begrüßung war herzlich sowie freudvoll wie immer und dann erklärte Sally Nina, den Grund ihres Überraschungsbesuchs. Sally brauchte ein Werkzeug, welches sie erst vor ein paar Tagen Nina zur eigenen Bearbeitung eines Tisches mitgegeben hatte. Zwar besaß Sally alle Werkzeuge doppelt, doch für jene an Nina ausgeliehene Maschine, war Sally das passende Schleifpapier ausgegangen. Da Nina selbst in den nächsten Tagen keine Zeit haben würde, das Werkzeug zu benutzen, war die Rückgabe der Maschine rasch erledigt.

 

...und auch Sally hatte an diesem Tag Sehnsucht nach Nina empfunden und die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, um mit der Freundin gemeinsam eine Runde zu plaudern. Nina wurde freudvoll bewusst, dass das Leben ihr durch diese Begebenheit erneut, eindrucksvoll und unübersehbar klar machte, dass zwei Energien mit dem gleichen Begehren mühelos zueinander gefunden hatten. Nina war ein Wunsch erfüllt worden, ohne, dass sie selbst aktiv hatte werden müssen. Der Wunsch, der Gedanke, die Sehnsucht hatten genügt, Nina das Gewünschte frei Haus zu servieren. Nun erinnerte sich Nina plötzlich an ihre Bitte nach einem Bügeleisen, und sie fragte Leo sofort, ob er daran gedachte hätte Sally zu fragen. Auf den Boden blickend gestand Leo, dass er es einfach vergessen hatte. Doch Sally war Zeuge der kurzen Unterhaltung zwischen Leo und Nina und bestätigte sogleich, dass dies wirklich kein Problem sei. Beim nächsten Treffen würde das Bügeleisen zu Nina finden. Dementsprechend fügte sich Nina und beschloss den Wachsfleck, eben ein paar Tage länger gelassen zu akzeptieren.

 

Nach etwas mehr als einer Stunde wollte Sally wieder heimfahren und Leo ging in den Garten, um für sie noch einen Strauß frischer Rosen zu schneiden. Zum sicheren Transport, der mit den langstieligen Blumen gefüllten Vase, suchten Sally und Nina gemeinsam einen geeigneten Platz in Sallys Auto. Sallys Auto war ein kleiner Bustransporter, welcher eine größere Ladefläche im hinteren Teil hatte. Nina öffnete einfach die hintere Tür und klemmte erfolgreich die Vase zwischen zwei dort stehende Kisten. Dabei stützte Nina sich mit der Hand auf der Ladefläche ab. Nachdem die Vase schüttelfest gesichert war, fiel Ninas Blick auf ihre eigene Hand. Diese ruhte unmittelbar und überraschend neben einem sichtlich alten Bügeleisen. Sofort teilte Nina diese Entdeckung offensichtlich staunend mit Sally. Daraufhin lachte Sally und sagte anschließend zu Nina, dass sie an diese Möglichkeit gar nicht gedacht hatte. Es handelte sich bei dem von Nina entdeckten Bügeleisen ebenfalls um ein Werkzeug, welches Sally manchmal für ihre Arbeit benutzte. Nachdem Sally erneut ausgiebig gelacht hatte, weil Nina sie immer wieder darauf hinwies, dass sie beide gerade erneut Zeugen der Einfachheit des Lebens geworden seien, schenkte Sally Nina das Bügeleisen. Sally war der Meinung, dass Nina es sich wirklich verdient hatte. Das Bügeleisen war zwar alt, dennoch vollkommen in Ordnung und einsatzbereit. Nina strahlte über das ganze Gesicht, umarmte Sally und rief dabei immer wieder „Dankeschön!“. Dann fuhr Sally wieder Heim.

 

Eine halbe Stunde nach Sallys Abreise war der Wachsfleck aus dem Sessel entfernt und alles im Wohnraum wirkte wieder neu und fast unberührt. Es schien, als ob das Malheur mit der Kerze niemals geschehen war. Jedoch die Freude in Nina über die Begegnung mit Sally, das Wunder der Entdeckung des Bügeleisens und die danach empfundene Einfachheit des Lebens, schwangen noch Stunden in Nina unüberfühlbar nach. Erzeugten in ihr weitere Empfindungen, welche wohl stetig das Beet bereiteten * für noch mehr Erfahrungen in Ninas Leben, die von außergewöhnlich zauberhafter, harmonischer und freudvoller Art waren. Ninas Vertrauen in die Güte des Lebens war an diesem Tag, mit der seltsamen Hilfe eines sie eigentlich störenden Wachsflecks unermesslich gewachsen.

 

 
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