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Beginnt sanft und leise die Weihnachtszeit sind viele Menschen plötzlich bereit, weitaus mehr Nahrung als gewöhnlich, in sich zu schieben und dabei vergnügt zu sein. Losgelassen werden vorübergehend, Gedanken an die Figur, Gewicht und kulinarische Sünden. Was auch durchaus berechtigt ist, denn kulinarische Sünden gibt es gar nicht! Es gibt genaugenommen gar keine Sünde, nur der Mensch denkt in sich diese, um sich selbst zu drangsalieren, mit seltsamen Freuden, wie zum Beispiel Enthaltsamkeit, Bescheidenheit und manchmal sogar – dem vollkommenen Verzicht auf all jenes, was sein Herz sich im jetzt wünscht.

 

Ja, leider ist es wahr, dass mancher Mensch zu sich selbst grausam ist, und dies sogar an Weihnachten. Doch niemals ist es der Festtagsbraten, welcher den Menschen in Disharmonie mit sich selbst und seinem Körper bringt. Alles, was den Menschen dazu bewegt, in der Freude eine Bitternis zu finden, beginnt im Denken - des sich selbst und eigenköpfig beschenkenden Menschen.

 

Nehmen wir als anschauliches Beispiel eine prachtvolle Weihnachtsgans. Kross gebraten in der Ofenröhre, köstlich duftend und innen gefüllt mit Kostbarkeiten bis an den Kragenrand. Da liegt sie nun, auf einem vor Wonne stöhnenden Teller und lockt mit lecker gebräunten Schenkeln, nicht nur Männer, denn auch Frauen können den Verlockungen von Weihnachtsgänsen – nur selten widerstehen. Zur Gewohnheit vieler Generationen - ist der knackig gebratene Vogel - an vielerlei Orten der Welt geworden.

 

... und dies keinesfalls, damit sich der Mensch dann nach dem Genusse zur Abwechslung am Ärger labt. Welche Folgen die Weihnachtsgans in seinem Magen und Körper hat, entscheidet jeder Mensch selbst. Manche Gänse reisen sofort nach dem Verzehr zurück in die ewigen Gefilde des Lebens, und kommen dann im nächsten Jahr als Entenbraten wieder. Doch andere Gänsebraten wiederum bleiben und können auch noch jahrelang im Menschen verweilen, weil dieser in Gedanken an ihnen festhält. Mancher Gänsehappen lässt sich ahnungslos auf das Spiel ein, um dann hinterher beschimpft zu werden, weil der Mensch seine eigene Schöpfung vergisst und verunglimpft.

 

Keine Gans auf der Erde wird jemals als Ei in die Obhut eines Menschen gelegt, um diesen zu quälen. Die Gans ist ein relativ lockerer Vogel, der laut wissenschaftlicher Beobachtung, intelligenter als andere Tiere erscheint und dennoch mit gewisser Regelmäßigkeit, häufiger als zum Beispiel das angeblich ganz dumme Warzenschwein, gut gefüllt und gebraten auf dem Festtagstisch des Menschen landet. Ja, ja – der letzte  Flug für eine Gans beginnt im Hof, oder auf einer Wiese und endet als kulinarisches Experiment, in eines Menschen Küche. Was wieder mal ganz deutlich zeigt, dass die Intelligenz dem Tiere gar nichts nützt, wenn es schmackhaft ist. Da hat der Mensch es wahrhaft besser, selbst - wenn es um seine Intelligenz mangelhaft bestellt ist, denn als Braten im Ofen endet er so gut - wie nie. Doch nun ganz galant zum Thema mit der Gans zurück.

 

Die Gans ist tot, wenn sie in Stücken auf des Menschen Gabel spießt, oder als ganze Keule - in dessen Hand zu finden ist. Stellt einfach nur ein Stück Materie da, welches aus seinem lebendigen Zusammenhang herausgetrennt, nun wahrhaft hilf- und regungslos, all dem Folgenden ausgesetzt wird. Das Stückchen Gänsefleisch hat keinerlei Interesse daran, länger im Körper des Menschen zu verweilen, als aus genießender Sicht nötig erscheint. Das kleine Stück willenloser Materie ist vollkommen bereit, all seine Köstlichkeit an des Menschen saugende, kauende und verdauende Sinne abzugeben.

 

Den Gesetzen der Schwerkraft folgend, sinkt das Genossene unaufhaltsam im Menschen nach unten, um ihn auf direktem Weg - wieder zu verlassen. Es leistet keinen Widerstand. Was für ein Interesse sollte der Gänsehappen daran haben, in der Dunkelheit eines menschlichen Fleischpaketes - Jahre zu verweilen. Eventuell wird es ja nach dem Verlassen des Menschen für den Überrest nicht wirklich besser, doch es wird wieder heller und allein das zählt. Ohne Licht kann keiner sehen – was wirklich geschieht, und alle Materie hängt am Licht, deshalb streben die Triebe der Samenkörner auch oben und nicht blind, in die Dunkelheit des Bodens. Dort ruht nur die Wurzel im Inneren der Erde, so - wie das Herz auch im Menschen ist und nicht im Außen an seinem Bauch befestigt.   

 

Die ganze Geschichte soll der Erinnerung daran dienen, dass vom Ursprung des Gedankens Essen, lediglich der Genuss - als bleibend erinnerbare Erfahrung, im kulinarischen Wonnespiel angedacht war. Alles, was der Mensch darüber hinaus in sich weiter behält, ist die eigene Wahl. Wäre es nicht so, würden alle Menschen von den gleichen Nahrungsmitteln dick werden. Doch jeder Mensch hat seine selbst gewählten Dickmacher, gleichgültig, ob nun aus Familientradition übernommen, irgendwo im Medienwald gefunden oder einfach angeheiratet.

 
   

 

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Published by Luxus Lazarz